Notenarchiv

Ferdinand Möhring galt als musikalisch hochbegabt. Der Zehnjährige vertrat bereits den Kantor an der Alt-Ruppiner Orgel in St. Nicolai. Jung wagte er sich an Vertonungen von Goethe, Schiller und Körner heran. In Berlin fand er nur die besten Lehrer, in Leipzig führte Felix Mendelssohn Bartholdy am 29. November 1838 Möhrings B-Dur Sinfonie im Gewandhaus auf. Ferdinand Möhring ging in den Kirchendienst an eine Barockkirche in Saarbrücken und kam zurück nach Neuruppin. Er komponierte über 120 Motetten, Lieder, Männerchorsätze und dirigierte seine Chöre in Neuruppin. Seine bisher aufgefundene Musik ist romantische Klavier- und Chormusik im besten Sinne, nicht zu schwer für Laien, eingängig, funktional für verschiedene Anlässe komponiert, in lyrischen Passagen die Mendelssohn-Zeit und ihren Stil repräsentierend. Möhring zu singen ist eine gute Erfahrung für alle Choristen.

Beim Suchen nach Noten befremdeten patriotische Lieder für Turner, Soldaten, Schützen, Jäger - aber gerade das ist ein spannendes Kapitel deutscher Geschichte: Möhring war maßgeblich am großen Sängerfest 1861 in Nürnberg beteiligt. Ein Jahr später gehörte Möhring zu den Mitbegründern des Deutschen Sängerbundes (der sich erst 2005 in den Deutschen Chorverband umbenannte). Das heißt, die Vereinigung der Chorsänger ging der Gründung des Deutschen Nationalstaates unter Bismarck voraus! Bei Möhring verbindet sich die Hoffnung auf einen geeinten Staat mit den Zielen der französischen Revolution...