Tagebuch 1830 bis 1831 - Seite 123

 

 

Die Nacht wich immer mehr dem kommenden
Morgen und schon dämmerte in Osten der lichte
Glanz der aufgehenden Sonne. Wir hatten Zippel=
förde
1 erreicht. Mein Bruder und mein Vater waren
erst wieder aufgewacht und einzelne Worte verdrängten all=
mählig die grausige Stille. Das Wasser bei
Zippelförde floß sacht dahin und die Bewohner
der einzel Häuser ruhten noch in Morgenschlaf.
Da stieg mein Vater von dem Wagen und sagte wir
sollten ein Gleiches thun, damit das Pferd bei
dem nahen Berge nicht so ermüdet würde. Ängstlich stiegen
wir drei von dem Wagen und wir vermochten [?] nicht nur
im Geringsten uns von demselben zu trennen. So
kann die Nacht das Gefühl eines Menschen
beängstigen. Vater erzählte uns, wie vor einigen
70 Jahren hier einige Menschen erschlagen wären;
ein kalter Schauer lief mir durch die Glieder
und mit hoffender Sehnsucht wünschte ich den Morgen.
Die dunkle Nacht hatte nachgelassen
und dämmernd nahte sich der Morgen. Frei
ward mir, als wir den Wald hinter uns sahen und
in grauer Ferne das Reinsberger Schloß
und die Thürm[e] mit den Häusern hervorragen
sah. Wir fuhren ein. Der Dammeinnehmer
war noch voll Schlafs und in sein lan trägen
Bewegung bracht er das Wort „eigentlich“ so
oft hervor, daß ich, bei meiner traurigen
Stimung lachen mußte. Als wir Rheinsberg
hinter uns hatten und die jenseitige Berge erreicht hatten
trat mit unnennbarer Pracht die glühen=
de Sonne im Morgenroth hervor. Wie


1 Zippelsförde.