Tagebuch 1830 bis 1831 - Seite 171

 

 


 

mit seinem prachtvollen Edelhofe ein Raub
der Flammen geworden sein soll).

Auf der Chaussee nach Magdeburg zeigte
mir Vater das Thor. Es war nach einer damaligen
Ansicht gezakt aufgebaut und wenn ich mich nicht irre,
so wohnten in den Thore Leute. Vor der
Stadt fingen die Wälle an und die Kanonen
haufen, davon jede Kugel mit einer Nummer
bezeichnet waren, zogen sich ganz, soweit ich sehen
konnte, den Mauer entlang. In der
Stadt angekommen logirten wir
in ein Haus, wo die Pflastersteine im Kreis
gelegt waren. Zuerst gingen wir nach dem Dom=
herrn und baten uns den Schlüssel vom
Dome aus. Inwendig in der Kirche war 2 Orgeln,
ein große und ei[ne] klein[e]. Zu der <1 führte eine
Wendeltreppe; hier ging der Rektor herauf und spielte.
Dan kamen wir an ein eisernes Gitter,
wo mehr[ere] prachtvolle Gräber waren. Welche
Domherr[n], Kaiser, Erzbischöfe da lagen
weiß ich nicht; den was bekümmert man sich als Jun=
ge von 8 Jahren um solche Sachen.
Hierauf gingen wir zu Dome hinauf auf eine breite
steinerne Wendeltreppe. In einer Kammer
in der Wendeltreppe ging wir hinein. Es hing hier eine
Glocke durch ein Quaderstein gehalten. Die
Verwüstungen Tilly‘s sind noch nicht verloren
gegangen und zum Andenken hat man diese
Kammer so gelassen. Zerbrochene Spieße,
Blutflecke etc. lagen umher. Nun sollte
es weiter gehen, aber Vater wollte nicht höher
hinauf. Der Rektor wollte mich nicht mitnehmen,


1 Kleineren.