Tagebuch 1830 bis 1831 - Seite 224

 

 


 

zu. Vorher besahe ich mich mir, nein mir, die
aus ans Fenster gestellten Bilder und Portraits unter
den Linden. Es waren ziemlich viel Mensch[en] im
Thiergarten und ich suchte die einsamsten Örter auf,
weil ich besonders dazu gestimt war und nachdem
ich weit im Thiergarten hineingdrungen war, wo nur
von fernher das Dröhnen der Fußtritte
gehört werden konte, setzte ich mich ermüdet auf
die eine Bank, zog meinen Bleistift und
Papier heraus und machte ein[en] Aufsatz eben so,
wie ich gestimt war, wo ich dran dachte, und
was mich umgab. Das Zwitschern der
Waldvögel umlauschte mich und von
fernher tönen die Hörner einer
rauschenden Musik in mein Ohr. Sacht
ist der Nachhall in dem belaubten Hain
und in der Abendröthe, wo die Sonne hin=
ter mir glühend verschwindet fühl ich das
Entücken der allmächtigen Natur! Die
Insekten sumsen freudig in der Abendluft
um der scheidenden Sonne eine gute
Nacht zu sagen und die kleinste Pflan=
ze schließt ihren Kelch, damit sie nicht
durch nächtliches Ungewitter zerstört werde.
O Allmächtiger! Allgegenwärtiger! heiliger
Schauer ergreift mich, wenn ich am Dich denke,
der alle Diese Dinge um mich her erschaf=
fen hat! Der mich zu seinem Bilde
schuf, damit ich Herr über die Erde werde,