Tagebuch 1830 bis 1831 - Seite 136

 

 

nach der Hamburger Straße und
wollte Gadiken Briefe hintragen,
er war nicht zu Hause und der Wirth wollte
sie nicht, weil sie versigelt waren nicht
nehmen.

Am Abend laß ich in Archenholz und machte
Botanik. Adolph war hier und wir
sprachen viel vom königlichen Schlosse, die
Sagen, die man von diesem erzählt etc.
Z B. d. Jungferküssen,1 das Bild einer
Prinzessin mit den Pferde etc. Nach
10 Uhr ging ich zu Bett

    Dienstag 15 März

Ich stand 7 ½ Uhr auf. Von 11 – 12
ging ich mit Borchmann nach dem Mu=
seum und suchte Steine. Als ich
vom Essen kam liß ich mir die
Haare abschneiden, die seit
den 31 October gewuchert [?] hatten.
Um 4 Uhr arbeitete ich Bota=
nik und laß in Archenholz. Nach
9 Uhr ging ich zu Bett.

    Mittwoch den 16 März.

In kei Geometri habe ich „recht gut“ unter
mein Heft bekomm. Als ich aus der
lateinische Stunde kam, übte ich


1 Das sog. Jungfernkissen befand sich in dem kleinen Turm an der Spree, den man wegen der grünen Farbe seines spitzen Kupferdaches von alters her den grünen Hut nannte. Da soll zu der alten Kurfürsten Zeiten das heimliche Gericht gewesen sein. Es war eine Jungfrau ganz von Eisen, deren Arme waren Schwerter, und am ganzen Leibe links und rechts waren auch solche angebracht. Der zum Tode Verurteilte musste nun auf eine steinerne Platte dicht vor sie hintreten, dann schlossen sich durch ein Räderwerk die Arme sowie die Schwerter und umfingen den Unglücklichen und zerschnitten ihn. Der zerhackte Leichnam fiel aber durch eine Vorrichtung hinab in die Tiefe und gelangte in die Spree. Von dem, der dorthin kam, sagte man, er müsse die Jungfer küssen, und so nannte man das Ganze das Jungferküssen oder, wie der Berliner spricht, das Jungfernkissen.