Tagebuch 1830 bis 1831 - Seite 181

 

 


 

sie nur desto mehr vergessen. Glückliche[r] als ein
König, dachte ich, sind diese stillen in Armuth
erzogenen Knaben. Glücklich[er], als mancher Reiche,
der sei[ne] Güter in Schwelgerei verpraßt und dennoch
unglücklich ist. „Zufriedene Leute, euer Loos
ist glücklich, glücklich[er] als je eines Sterbli=
chen.“ Ich blieb noch ei[ne] Weile auf mei[nem] Flek
sitzen und es kam ein Schwarm von Krähen
über mei[nen] Kopf geflogen. Ihm folgten
das Gerkächz einzeln[er] Raben und bald der verschwand
der ganze Schwarm hinter den Bäumen und nur
von ferne hörte man noch den Wiederhal
ihres rauschenden Fluges. Im Auf=
stehen begriffen hörte ich noch das Nachtlied
eines schönen Waldvogels. In schmelzende
Accorde zerfloß sein Gesang und mit melodi=
schen Tönen wünschte der Nachtvogel sei
Seinesgleichen ein herzliches „Ruhe wohl“.
Langsam setzte ich mei[nen] Weg nach Hause
fort und von fern kamen mir mei[ne] Freunde ent=
gegen, reichten mir die Hand und vergnügt und zufrieden
liefen wir zur Stadt hinab. –

    Dienstag 10 Mai.

Ich stand um 6 ½ Uhr auf und machte
mich fertig nach der Schul zu gehen. Von 11 – 2
machte ich Geometrie, englisch Exerciti[um] und Praepa-
ration
. Am Abend arbeitete ich wieder
Geometrie und laß Coopers Steppe.